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Wort zur Woche
August 2014 (4)
Das Evangelium mit Gott im Zentrum - Zac Poonen
(God Centered Gospel)

Christen teilt man üblicherweise nach folgenden Kategorien in jeweils zwei Gruppen ein:

(1) „Katholiken“ und „Protestanten“ – abhängig von der Geburt;

(2) „Episkopal“ (konformistisch) und „freikirchlich“ (nonkonformistisch) – abhängig vom Kirchenmodell;

(3) „Wiedergeborene Christen“ und „Namenschristen“ – abhängig von einer „Erfahrung“;

(4) „Evangelikale“ und „Liberale“ – abhängig von der Lehre;

(5) „Charismatiker“ und „Nicht-Charismatiker“ – abhängig vom „Zungenreden“;

(6) „Christen im vollzeitlichen Dienst“ und „Laien“ – abhängig vom Beruf.

Man könnte noch weitere Einteilungen dieser Art vornehmen. Aber keine davon befasst sich mit der Wurzel des Problems, zu dessen Lösung der Herr gekommen ist. Viele wissen, dass „Christus für unsere Sünden gestorben“ ist (1Kor 15,3). Aber viele wissen nicht, dass die Bibel lehrt, dass Christus auch gestorben ist, „damit wir nicht länger für uns selbst leben, sondern für ihn“ (2Kor 5,15).

Eine schriftgemäßere Art, Christen zu kategorisieren, wäre deshalb folgende: „Solche, die für sich selbst leben“ und „solche, die für Christus leben“; oder „solche, die das Ihre suchen“ und „solche, die das des Christus suchen“; oder „solche, die zuerst nach irdischen Dingen trachten“ und „solche, die zuerst nach dem Reich Gottes trachten“; oder „solche, die Geld lieben“ und „solche, die Gott lieben“ (Jesus sagte, dass es unmöglich ist, beide zu lieben – Lk 16,13).

Aber ich habe nie gehört, dass jemand derartige Kategorien verwendet. Sie befassen sich mit dem Innenleben eines Christen und seinem persönlichen Wandel mit Gott, während die vorher erwähnten Kategorien sich mit den Äußerlichkeiten seines Lebens befassen. Im Himmel aber werden die Christen nach den letzteren Kategorien eingeteilt. Und wenn das so ist, dann ist diese Art der Kategorisierung die einzige, die zählt! Hierbei können andere Menschen uns nicht einordnen. Wir müssen es selbst tun; denn niemand außer uns kennt unsere innersten Motive und Sehnsüchte. Selbst unsere Ehepartner wissen vielleicht nicht, wofür wir wirklich leben.

Unser Herr ist nicht in erster Linie deshalb gekommen, um den Menschen eine Lehre oder ein Kirchenmodell zu geben oder sie in Sprachen sprechen zu lassen oder ihnen eine besondere Erfahrung zu geben!

Er kam, „um uns von unseren Sünden zu retten“. Er kam, um die Axt an die Wurzel des Baumes zu legen. Und die Wurzel der Sünde ist: Auf uns selbst zentriert zu sein, das Unsere zu suchen, unseren eigenen Willen zu tun. Wenn wir es nicht zulassen, dass der Herr diese „Wurzel“ radikal abhaut und ausreißt, werden wir nur oberflächliche Christen sein. Satan kann uns jedoch so verführen, dass wir uns wegen unserer Lehre oder unserer Erfahrung oder unseres Kirchenmodells sogar für bessere Christen als andere halten!

Satan kümmert es nicht, wenn unsere Lehre, Erfahrung und Kirchenmodell alle richtig sind, solange wir nur weiterhin „für uns selbst leben“ (was übrigens nur eine andere Bezeichnung für „in Sünde leben“ ist). Die heutige Christenheit ist voll von Christen, die das Ihre suchen und für sich selbst leben und doch überzeugt sind, dass Gott sie als die besseren Christen ansieht, nur wegen lehrmäßiger Unterschiede, wegen ihres Gemeindemodells oder ihrer besonderen „Erfahrungen“. Das zeigt, welch ein großes Werk Satan in der Christenheit gelungen ist.

In Johannes 6,38 sagt unser Herr, dass er vom Himmel auf die Erde kam,

(1) um seinen menschlichen Willen (den er erlangte, als er als Mensch auf die Erde kam) zu verleugnen; und

(2) um als Mensch den Willen seines Vaters zu tun.

Darin wurde er für uns zu einem Vorbild.

Während seines ganzen irdischen Lebens – in all seinen 33½ Jahren – verleugnete Jesus seinen eigenen Willen und tat den Willen seines Vaters. Und er sagte seinen Jüngern eindeutig, dass jeder, der sein Jünger sein will, denselben Weg gehen müsse. Er kam, um die Wurzel der Sünde in unserem Leben zu treffen – nämlich „unseren eigenen Willen zu tun“ – und um uns davon zu erretten.

In der Wissenschaft hat der Mensch Jahrtausende lang den Fehler gemacht zu glauben, dass die Erde das Zentrum des Universums sei. So sah es aus für das menschliche Auge; denn Sonne Mond und Sterne scheinen sich tatsächlich einmal in 24 Stunden um die Erde zu drehen. Es brauchte den Mut eines Kopernikus, der vor gerade einmal 500 Jahren diese allgemeine Auffassung in Frage stellte und zeigte, dass sie völlig falsch war, und dass die Erde mitnichten das Zentrum des Sonnensystems ist, geschweige denn des Universums. Er zeigte, dass die Erde geschaffen wurde, um auf die Sonne ausgerichtet zu sein. Solange der Mensch das falsche Zentrum hatte, waren seine wissenschaftlichen Berechnungen und Ableitungen falsch – weil sein Zentrum falsch war. Aber nachdem der Mensch einmal das richtige Zentrum entdeckt hatte, wurden seine Berechnungen und Ableitungen richtig.

Dasselbe trifft auf uns zu, wenn wir „selbstzentriert“ bleiben, statt „gottzentriert“ zu sein. Unser Verständnis der Bibel und des vollkommenen Willens Gottes (unsere Berechnungen und Ableitungen) sind dann falsch. Aber dabei bilden wir uns ein, wir hätten Recht, so wie es die Menschen 5.000 Jahre lang taten! Tatsächlich liegen wir hundertprozentig daneben.

Dasselbe sehen wir heute unter vielen „guten Christen“. Sie haben so viele verschiedene Auslegungen derselben Bibel – und dabei ist jeder überzeugt, dass allein seine Auslegung richtig und alle anderen falsch sind. Die anderen, so sagen sie, sind „verführt“. Warum ist das so? Weil sie ein falsches Zentrum haben.

Der Mensch wurde geschaffen, um auf Gott, nicht auf sich selbst ausgerichtet zu sein. Wenn Christen ein falsches Zentrum haben, dann wird auch ihr „Evangelium“ falsch sein. Im Grunde werden heute nur zwei Evangelien gepredigt – eines, bei dem der Mensch im Zentrum steht und eines, bei dem Gott im Zentrum steht.

Das menschenzentrierte Evangelium verheißt dem Menschen, dass Gott ihm alles geben wird, um das Leben auf Erden komfortabel zu machen und am Ende seines Lebens außerdem einen Platz im Himmel. Man sagt dem Menschen, dass Jesus ihm alle Sünden vergeben und alle Krankheiten heilen wird, dass er ihn segnen und materiellen Erfolg geben wird, dass er alle irdischen Probleme lösen wird usw.

Bei einem solchen Menschen bleibt sein Ich im Zentrum seines Lebens und Gott dreht sich um ihn – als sein Diener, der jedes Gebet erhört und ihm alles gibt, was er will! Alles was er dafür tun muss, ist zu „glauben“ und „in Jesu Namen jeden materiellen Segen in Anspruch zu nehmen“!

Das ist ein falsches Evangelium, denn von „Buße“ ist keine Rede. Buße ist das, was Johannes der Täufer, Jesus, Paulus, Petrus und alle Apostel zuallererst predigten. Und Buße wird heute leider überhaupt nicht mehr gepredigt, nicht mal als Allerletztes.

Das Evangelium, bei dem Gott im Zentrum steht, ruft dagegen den Menschen zur Buße auf und es erklärt, was Buße bedeutet:

Sich ABZUWENDEN vom Ich als dem Zentrum des Lebens, davon, den eigenen Willen zu tun, selbstgewählte Wege zu gehen, das Geld zu lieben, die Welt und die Dinge der Welt zu lieben (die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und den Hochmut des Lebens) usw. und sich HINZUWENDEN zu Gott, ihn von ganzem Herzen zu lieben, ihn zum Zentrum des Lebens zu machen und hinfort seinen Willen zu tun.

Nur dann kann der Glaube an Christi Tod am Kreuz dem Menschen seine Sünden vergeben, wenn er Buße tut und umkehrt. Dann kann er die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, die ihn befähigt, sich selbst täglich zu verleugnen und ein gottzentriertes Leben zu führen. Das ist das Evangelium, das Jesus und die Apostel predigten.

Das falsche Evangelium macht die Pforte weit und den Weg breit (und leicht zu gehen, denn man muss nicht sein Ich verleugnen oder aufhören, für sich und seinen eigenen Vorteil zu leben). Millionen besuchen Versammlungen, wo ein solches falsches Evangelium gepredigt wird. Und viele gehen durch diese Pforte ein und wandeln auf diesem Weg, im Glauben, dass er zum Leben führt. Aber in Wirklichkeit führt er zum Untergang. Die Verkünder dieses Evangeliums brüsten sich und berichten von großen Mengen von Menschen, die in ihren Versammlungen „die Hand hoben und sich für Christus entschieden“. Aber das ist alles Täuschung. Wenn auch manche sich bei solchen Versammlungen aufrichtig bekehren, enden viele dieser „Bekehrten“ als „doppelte Kinder der Hölle“ (Mt 23,15), getäuscht über ihren wahren Zustand.

Das wahre Evangelium dagegen macht die Pforte eng und den Weg schmal – nicht enger oder schmaler als Jesus selbst sie machte, wie einige „supergeistliche“ Sektierer es tun, sondern genauso wie Jesus es tat. Wenige nur finden diesen Weg zum Leben. Und die Verkünder dieses Evangeliums können keine beeindruckenden Berichte und Statistiken vorweisen. Aber dieses Evangelium führt Menschen zum Herrn Jesus und in den Himmel.

„So seht nun darauf, wie ihr zuhört. Wer dem gehorcht, was er gehört hat, dem wird mehr Licht und Verständnis gegeben werden. Aber wer dem, was er gehört hat, nicht gehorcht, dem wird sogar das Licht und das Verständnis, das er zu haben meint, weggenommen werden“ (Lk 8,18, frei übertragen).

Wer Ohren hat zu hören, der höre.

   
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