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Wort zur Woche
Juni 2010 (4)
Ein richtiger Sinn für Werte - Zac Poonen
(A Proper Sense of Values)

Der blinde Mann wirft einen Scheck über 100 Rupien weg und klammert sich an ein Stück Glanzpapier, in der Meinung, dass Letzteres begehrenswerter ist, weil es sich beim Anfassen glatter anfühlt. Weil er blind ist, fehlt ihm ein richtiger Sinn für Werte. Wie er zieht auch ein zweijähriges Kind ein billiges Spielzeug dem Scheck vor. Auch das Kind ist in Bezug auf die wahren Werte ignorant, weil es unreif ist.

Doch eine große Zahl von intelligenten Männern und Frauen überall auf der Welt tun heute genau dasselbe. Und sie tun es, ohne es überhaupt zu erkennen! Hast du einen richtigen Sinn für Werte? Eine falsche Vorstellung von wahren Werten kann jeden von uns zu einem vergeudeten Leben führen; und die größte Tragödie in der Welt ist heute die Anzahl von vergeudeten Leben. Diese Vergeudung tritt man nicht nur unter nicht-religiösen, sondern auch unter religiösen Menschen an.

Der Mensch wird geistlich blind geboren. Er ist daher unfähig, den relativen Wert von Dingen der Zeit im Vergleich zu den Dingen der Ewigkeit einzuschätzen. In der Folge verbringt er seine Zeit und seine Energie damit, indem er nach dem Wohlstand, der Ehre und dem Vergnügen, das diese Welt ihm geben kann, trachtet. Er erkennt kaum, dass „die sichtbaren Dinge (alle von ihnen) zeitlich sind“, wohingegen, „die unsichtbaren Dinge (und diese allein) ewig sind“ (2Kor 4,18). Jesus stellte die falsche Werteordnung, die sogar von religiösen Menschen seiner Zeit vertreten wurde, in Frage, als Er ihnen sagte, dass es einem Menschen nichts nützen würde, wenn er die ganze Welt gewönne und dabei an seiner Seele Schaden nähme. Wenn ein Mensch keine rechte Beziehung zu Gott durch Jesus hat, dann wird er am Tag, an dem er vor seinem Schöpfer steht, feststellen, dass alles, was er auf Erden erreicht und erworben hat, völlig wertlos ist.

Es gibt auch eine große Zahl von Christen, deren „Sünden alle vergeben sind“ und die „auf ihrem Weg in den Himmel sind“, deren Werte jedoch nicht weniger durcheinander sind. Am Tag des Gerichts werden sie zu ihrer Überraschung feststellen, dass, obwohl ihre Seele gerettet worden sein mag, ihr Leben vergeudet worden ist. Sie haben als Zuschauer an der Seitenlinie gestanden, sie waren zufrieden mit ihrer Errettung, sangen fröhlich im Chor, sie beobachteten, wie andere von Gott benutzt wurden, waren sich aber nicht bewusst, dass Er auch sie auf dem Spielfeld haben wollte. Gelegentlich mögen sie sich wundern, warum die Kraft, Freude und Fruchtbarkeit, welche das Leben anderer Christen auszeichnen, nicht auch ihr Teil sein können. Sie mögen viele christliche Versammlungen besuchen, um ihr geistliches Leben zu stimulieren, aber ihr innerer Mensch bleibt immer schwach und kränklich. Hin und wieder mögen sie den Ehrgeiz haben, eine höhere Ebene des christlichen Lebens zu erreichen, aber sie fallen bald wieder zurück an den Punkt, an dem sie begannen – und manchmal noch tiefer. Was ist der Grund dafür? Gewöhnlich ist es ein ganz einfacher: Ihre Prioritäten sind durcheinander. Wie der blinde Mann und das Kind in den obigen Beispielen, haben sie in ihrer Ignoranz immer wieder die wahren geistlichen Reichtümer weggeworfen und haben sich an das geklammert, was wertlos ist. Daher sind sie geistlich bankrott geblieben, wohingegen sie nach Gottes Absicht reich sein sollten.

Jesus hat stets versucht, diese Blindheit von den Augen jener, die zu Ihm kamen, zu entfernen. Er lehrte sie, was die höchsten Prioritäten des Lebens wirklich sind. Er sagte zu Martha: „Eines aber ist notwendig.“ Zu einem reichen Jüngling sagte Er: „Eines fehlt dir.“ Mit diesen Worten betonte Er die Dinge, die in unserem Leben den ersten Platz einnehmen sollten. Oder wiederum zur Zeit des Alten Testaments wurde von David allein gesagt, dass er „ein Mann nach Gottes Herzen“ war – und er hatte seine Prioritäten gewiss in Ordnung! „Eines aber begehre ich“ sagte er. Auch Paulus, der größte Apostel der Christenheit, stellte erfolgreich die richtigen Dingen an die erste Stelle. „Eines aber tue ich“ rief er aus. Und mit diesem Motto führte er das effektivste Leben (vom Gesichtspunkt der Ewigkeit aus betrachtet), das diese Welt seit Jesu Himmelfahrt gesehen hat.

Die Atmosphäre der heutigen Welt gibt uns allen ohne Ausnahme einen pervertierten Sinn von Werten. Unter ihrem Einfluss neigen wir dazu, im Leben falsche Prioritäten zu setzen. Dafür ist der Einfluss enorm stark. Schneller als je zuvor in der Geschichte der Menschheit versinkt die Welt in die Gosse des moralischen Verfalls und der Korruption. Die Finsternis verstärkt sich, bis die Nacht um uns herum schwarz ist. Bei solchen Zuständen möchte Jesus, dass die Kirche das Salz dieser Erde und das Licht dieser Welt ist. Aber das Salz hat größtenteils seine Würze und das Licht seine Helligkeit verloren. Korruption und Finsternis haben sogar ihren Weg in den Haushalt des Glaubens gefunden. Und weil der pharisäische Sauerteig so tief in die Kirche eindrang, ist sie sich dessen weder bewusst noch ist sie bereit, sich ihrem wahren Zustand zu stellen. Nur jene, die offene Ohren haben, können den Geist Gottes sprechen hören, der auch heute noch dazu aufruft, die bestehenden Prioritäten neu zu bewerten.

In dieser großen Finsternis finden du und ich das einzige Licht, das uns angeboten wird, in der Bibel. Wenden wir uns also ihr zu und suchen wir für uns selbst herauszufinden, was die vorrangigen Ansprüche an das christliche Leben wirklich sind. Was wir dort lesen, mag uns zuerst verletzen oder sogar ärgern, denn die Bibel dringt durch unsere Masken hindurch. Aber schöpfen wir Mut aus den Anmerkungen eines Dieners Gottes aus dem 20. Jahrhundert, der Folgendes schrieb: „Die Worte Jesu verletzen und ärgern, bis nichts mehr übrig ist, was uns verletzen oder ärgern kann (siehe Mt 11,6). Wenn wir durch eine Aussage Jesu noch nie verletzt wurden, ist es fraglich, ob wir jemals wirklich von Ihm gehört haben. Jesus Christus hat keine Zärtlichkeit gegenüber irgendetwas, was letztlich einen Menschen für den Dienst Gottes ruinieren wird. Wenn uns der Geist Gottes ein Wort des Herrn, das uns verletzt, in Erinnerung ruft, können wir vollkommen sicher sein, dass es etwas gibt, das Er verletzten möchte, sogar bis zum Tod“ (Oswald Chambers, aus „So Send I You“).

„Du sprichst… ich brauche nichts; aber du weißt nicht, dass du… blind bist; ich rate dir… deine Augen zu salben, damit du sehen mögest… Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ (Offb 3,17-22).

„Öffne meine Ohren, dass ich hören möge,
Stimmen der Wahrheit, sendest du klar,
und während die Klangwellen in mein Ohr fallen, wird alles Falsche verschwinden.
Ich warte nun still auf Dich,
bereit, mein Gott, Deinen Willen zu sehen,
öffne meine Augen, erleuchte mich, göttlicher Geist.“

Deutsche Übersetzung: Alois Mair

   
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