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Wort zur Woche
Mai 2010 (2)
Der Herr ist schnell zum Wertschätzen und langsam zum Kritisieren - Zac Poonen
(The Lord is Quick to Appreciate and Slow to Criticise)

Im Brief an den Boten [Engel, Gemeindeleiter] in Ephesus in Offenbarung 2,1 beschreibt sich der Herr selber als der, „der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern“. Der Herr wandelt immer inmitten der Gemeinden und prüft alles, was dort von jedem gesagt und getan wird, und besonders von den Boten, die Er in Seiner Hand hält. Und er misst alles nicht nach dem niedrigen Standard, den die fleischlichen Christen haben, auch nicht nach dem Standard der Zehn Gebote, sondern nach dem Lot der göttlichen Gerechtigkeit.

Er drückt zuerst Seine Zustimmung und Wertschätzung aus, bevor er das Versagen herausstellt (Offb 2,2). So ist die göttliche Natur. Der Herr schaut zuerst immer auf das, was gut ist, und drückt Seine Wertschätzung dafür aus, bevor Er auf die Dinge hinweist, die korrigiert werden müssen. Die Natur des Menschen ist jedoch ganz anders. Er schaut nicht zuerst darauf, was bei anderen gut ist, sondern auf das, was schlecht ist. Der Mensch ist von Natur aus langsam, Wertschätzung auszudrücken und extrem schnell, zu kritisieren. Das ist bloß ein Kennzeichen des Giftes des „Anklägers der Brüder“, das in unserem System ist (Offb 12,10). Je mehr wir jedoch an der göttlichen Natur teilhaben, desto mehr werden wir wie unser Herr sein – schnell beim Wertschätzen und langsam beim Kritisieren.

Es ist gut, wenn wir diesem Prinzip das ganze Leben lang folgen: „Ich werde nie jemandem einen Fehler aufzeigen, in dem ich bislang nichts zum Wertschätzen gefunden habe.“ Wenn wir dieser einfachen Regel folgen, kann uns das auf eine höhere Ebene der Frömmigkeit führen als wir es uns je vorgestellt hätten. Es wird uns in der Gemeinde zu einem weit größeren Segen machen und zu einem weit geringeren Ärgernis für andere, als wir es bislang gewesen sind. Nur wenn wir andere wertschätzen, haben wir die Grundlage gelegt, sie konstruktiv zu kritisieren. Sonst werden wir nur Steine auf sie werfen. Wir können nicht mit einer Kreide auf dünner Luft schreiben. Du brauchst eine Tafel, wenn du sehen möchtest, was du schreibst. Genauso bildet zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung die Tafel, auf der wir schreiben und gegenüber anderen „die Wahrheit in Liebe“ aussprechen können. Dann wird das, was wir sagen, auch leichter von ihnen angenommen werden. Wertschätzung und Zurechtweisung sind beides Zeichen der Liebe. Aber wir müssen zuerst mit der Wertschätzung beginnen. Beachte, wie Paulus diesem Prinzip folgt, wenn er sogar den fleischlichen Christen in Korinth schreibt (1Kor 1,4-10).

Der Herr lobt den Boten von Ephesus für seine Mühe und seine Geduld und für seine Anstrengungen, die Gemeinde vor bösen Menschen rein zu halten. Er hatte zweifellos einen Kampf gegen Weltlichkeit geführt, um die Kirche in der Lehre rein zu halten. Er hatte die geprüft, die sich Apostel nannten und hatte bewiesen, dass ihre Behauptungen falsch waren. Der Bote in der Gemeinde in Ephesus hatte auch für den Namen des Herrn „ausgeharrt“, ohne aufzugeben (Offb 2,3). Welch ein wunderbarer Mann war dieser Bote, gemessen an den Maßstäben der meisten Gläubigen. Und welch eine wunderbare Gemeinde schien die Kirche in Ephesus zu sein – eine die sich mühte, ausharrte, böse Menschen und falsche Lehren fernhielt und Verführer enttarnte – und somit die Reinheit des Lebens als auch die Reinheit der Lehre betonte.

Man hätte meinen können, dass eine solche Gemeinde alles hatte, was der Herr in einer Kirche vorfinden möchte. Aber ach, das war nicht der Fall. Ihr fehlte das Wichtigste, wonach der Herr Ausschau hielt. Sie hatte ihre erste Liebe verlassen – die Liebe für den Herrn und die Liebe füreinander (Offb 2,4). Was der Herr zu ihnen sagte, war im Wesentlichen Folgendes: „Inmitten all euren Eifers und eurer Aktivität, habt ihr MICH aus den Augen verloren. Ihr habt diese inbrünstige Hingabe verloren, die ihr einmal hattet. Ihr habt euch selber vom Bösen bewahrt, und habt euch von doktrinären Irrtümern ferngehalten. Aber denk daran, wie inbrünstig ihr wart, als ihr zuerst bekehrt wurdet und wie ihr alles aus Liebe für Mich getan habt. Nun ist alles zu einer trockenen Routine degradiert. Ihr geht immer noch zu euren Versammlungen, lest eure Bibel und betet. Aber es ist alles zu einem Ritual verkommen.“

Diese Kirche war wie eine Ehefrau geworden, die einst ihrem Ehemann freudig, aus Liebe zu ihm diente, die jetzt aber dieselben Aufgaben als Plackerei betrachtet – weil das Feuer der Liebe aus ihrer Ehe verschwand. In alten Zeiten wartete sie gewöhnlich sehnsüchtig darauf, dass ihr Mann jeden Abend vom Büro nach Hause kam. Aber nun nicht mehr. Sie ist ihm immer noch treu, aber sie hat ihre erste Liebe verloren. Was wünscht sich ein wahrer Ehemann als Allererstes von seiner Frau? Ist es ihre Liebe oder ihre Arbeit? Sicherlich ist es ihre Liebe. Das Gleiche trifft auf den Herrn zu. Er begehrt zuallererst die Liebe unseres Herzens. Wenn diese verschwunden ist, wird alles, was wir tun, zu einem toten Werk. Gute Werke werden zu toten Werken, wenn die Liebe zu Gott nicht die motivierende Kraft hinter ihnen ist. Diese Gläubigen hatten auch ihre inbrünstige Liebe füreinander verloren. Sie waren nicht mehr länger in der Lage, mit den gegenseitigen Schwächen Nachsicht zu haben oder die gegenseitigen Sünden zu übersehen. Sie hatten auch ihre erste Liebe füreinander verloren. Der Bote hatte seine erste Liebe verloren – und nach und nach war auch die Gemeinde wie ihr Bote geworden. Das ist kein kleiner Fehler. Es war ein großer Fall – denn der Herr sagt: „So denke nun daran, wovon du abgefallen bist“ (Offb 2,5).

Deutsche Übersetzung: Alois Mair

   
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