Englisch
Wort zur Woche
3. Juli 2009
Von Gott berufen - Zac Poonen
(Called by God)

Es gibt einen großen Unterschied zwischen "einem Beruf" und "einer Berufung". Ich möchte das erklären. Nehmen wir einmal an, im Krankenhaus ist ein krankes Kind, um das sich eine Krankenschwester während ihres Schichtdienstes acht Stunden am Tag kümmert. Die Krankenschwester geht danach nach Hause und vergisst das Kind völlig. Die Sorge für dieses Kind war auf acht Stunden begrenzt. Nun hat sie andere Dinge zu tun, wie z.B. ins Kino gehen oder fernsehen. Sie muss bis zum nächsten Tag, wann sie zur Arbeit zurückkehrt, nicht mehr an das Kind denken. Aber die Mutter dieses Kindes hat keinen Schichtdienst von bloß acht Stunden! Sie kann nicht ins Kino gehen, wenn ihr Kind krank ist. Das ist der Unterschied zwischen einem Beruf und einer Berufung. Wenn du dieses Bild auf die Art und Weise, wie du dich um Gläubige in deiner Gemeinde kümmerst, überträgst, wirst du herausfinden, ob du eine Krankenschwester oder eine Mutter bist!

Paulus schrieb in 1. Thessalonicher 2,7: "Sondern wir sind unter euch mütterlich gewesen: Wie eine Mutter ihre Kinder pflegt, so hatten wir Herzenslust an euch und waren bereit, euch nicht allein am Evangelium Gottes teilzugeben, sondern auch an unserem Leben; denn wir hatten euch lieb gewonnen." Paulus hat mit diesen Christen nicht nur das Evangelium Gottes geteilt, sondern auch sein Leben. Jeder Dienst, der nicht auf diese Weise getan wird, ist nicht wirklich ein christlicher Dienst. Paulus diente Gott auf diese Weise, weil er eine Berufung zum Dienst hatte. Er hat seine Aufgabe nicht als Beruf verstanden.

Es ist wunderbar, dem Herrn zu dienen. Es ist das Größte in der Welt. Nichts auf dieser Erde kann sich damit vergleichen - aber nur, wenn wir berufen sind. Es kann nicht auf einen Beruf reduziert werden. Gott berief mich am 6. Mai 1964 ihm (vollzeitlich) zu dienen, als ich ein Offizier in der indischen Marine war. Ich reichte dann meine Kündigung bei der Führung der Marine ein. Aber es ging mir ähnlich wie Mose, als er den Pharao bat, die Israeliten ziehen zu lassen! Die indische Marine ließ mich nicht gehen. Es brauchte noch zwei Jahre und weitere Gesuche, bevor sie mich schließlich - auf wunderbare Weise - zu Gottes perfekter Zeit, gehen ließen. Von Gott berufen zu sein hat in meinem Leben den ganzen Unterschied ausgemacht. Erstens, macht es mir jetzt nichts mehr aus, was Menschen über mich oder meinen Dienst denken, weil jemand anders mein Meister ist und ich bin nur ihm zur Rechenschaft verpflichtet. Zweitens, ich kann Gott vertrauen, dass er mir zur Seite steht und mir Gnade schenkt, wann immer ich mit irgendeiner Prüfung oder Opposition in meinem Dienst konfrontiert bin - und das passiert oft. Drittens, spielt es für mich keine Rolle, ob ich Geld bekomme oder nicht oder ob ich Nahrung bekomme oder nicht. Wenn ich Nahrung und Geld erhalte, dann ist das fein und gut. Wenn ich keine Nahrung und kein Geld erhalte, so ist das auch in Ordnung. Ich kann nicht aufhören, dem Herrn zu dienen, einfach weil ich kein Geld oder keine Nahrung erhielt - weil Gott mich berufen hat.

Ich kann mich von meiner Berufung nicht lossagen. Ich bin kein bezahlter Angestellter, der mit der Arbeit aufhören kann, wenn ich nicht bezahlt oder ernährt werde! Es ist so wie in dem Fall von der Mutter und ihrem Kind. Eine Krankenschwester wird mit der Arbeit aufhören, wenn ihr Gehalt einen Monat lang nicht bezahlt wird. Aber eine Mutter kann niemals aufhören. Sie bekommt ohnehin kein Gehalt! Sie wird sich um ihr Baby kümmern, auch wenn sie keine Nahrung oder kein Geld bekommt! Das ist die Art und Weise, wie die Apostel dem Herrn dienten. Was für eine herrliche Sache ist es, von Gott berufen zu sein! Du kannst das Werk des Herrn niemals auf eine Weise tun, wie Gott es möchte, wenn du es als Beruf tust. Es muss eine Berufung sein oder es ist nichts. Jede andere Arbeit in der Welt kann als ein Beruf ausgeübt werden. Aber nicht die Arbeit einer Mutter oder eines Vaters oder eines Dieners des Herrn! Diese alle sind das Resultat einer Berufung. Paulus sagte den Christen in Korinth, dass, auch wenn sie 10.000 Lehrer hätten, so hätten sie doch nur einen Vater (1Kor 4,15). Paulus war ein geistlicher Vater und eine Mutter für seine Herde. Er hatte keinen Beruf, sondern eine Berufung.

"Nimm das Kindlein mit und stille es mir; ich will es dir lohnen" (2Mo 2,9) - das waren die Worte, die der Herr zu mir sagte. Er sagte mir das zuallererst in Bezug auf meine leiblichen Kinder. Und dann sagte er mir das auch bezüglich meiner geistlichen Kinder. Wenn wir uns um Gottes Kinder kümmern, ist er es, der verantwortlich ist, und nicht Menschen, uns unseren Lohn zu geben. Wenn wir Menschen dienen, so lasst uns auf Menschen schauen, uns zu bezahlen. Aber wenn wir dem Herrn dienen, so lasst uns allein auf ihn schauen, um unsere Bedürfnisse zu stillen - auf die Art und Weise, wie er es für angebracht hält. Überlassen wir ihm auch die Entscheidung, wie viel wir jeden Monat erhalten sollten. Es gibt eine Würde, die einen wahren Diener Gottes umgibt. "Nimm diese Kinder und stille sie für mich", sagt der Herr. "Ziehe sie für mich auf und ich will es dir lohnen." Diese Belohnung bezieht sich nicht in erster Linie auf Geld. Ich glaube, dass der Herr sich um unsere physischen Bedürfnisse kümmert, da er uns gelehrt hat, um unser tägliches Brot zu bitten und er hat bestimmt, dass diejenigen, die das Evangelium verkünden, vom Evangelium leben sollen. Somit wird er für unsere irdischen Bedürfnisse sorgen. Aber zudem wird es eine weit größere geistige Belohnung geben. Paulus schrieb den Christen in Thessalonich, dass sie sein Ruhmeskranz und seine Freude sein würden, wenn der Herr zurückkehrt (1Th 2,19). Er erfreute sich an ihnen, genauso wie ein Vater sich über seine Kinder freut.

Ein Ältester (der ein geistlicher Vater ist) wird voller Freude sein, wenn er sieht, dass Gläubige, die einst als Rohmaterial in seine Gemeinde kamen, nun Männer Gottes geworden sind. Das ist sehr ähnlich mit einem Bildhauer, der einen formlosen Felsbrocken in eine menschliche Gestalt umformt. Er musste diesen Felsen über viele Monate und Jahre mit dem Meißel bearbeiten, bevor das Gesicht und die Gestalt eines Menschen sichtbar wurden. Das ist die Arbeit, die Gott auch uns aufgetragen hat. Wir dürfen niemals damit zufrieden sein, Menschen korrekt belehrt zu haben. Wenn das Bild Christi in ihrem Leben nicht zum Vorschein kam, haben wir überhaupt nichts erreicht.

Deutsche Übersetzung: Alois Mair

   
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