|
Wir können unsere Mitgeschwister oft ermutigen durch das aufrichtige Zeugnis
unseres Glaubenslebens und damit dass wir sie über unsere geistlichen Kämpfe
nicht im Unklaren lassen.
Wir sind dazu berufen Zeugen für Christus zu sein. Aber wenn wir durch unser
Zeugnis in anderen Menschen einen falschen Eindruck von unserem Leben erwecken,
dann sind wir falsche Zeugen. Die grosse Mehrheit von Gläubigen fällt in diese
Kategorie. Sie geben den Anderen prächtige Zeugnisse über ihre Triumphe, sagen
aber kein Wort über ihre Kämpfe oder Misserfolge. Sie zeugen von vielen erhörten
Gebeten, sprechen aber nicht über ihre Bitten bei denen Gott mit Nein antwortete.
Sie beschreiben alle ihre Bergspitzen-Erlebnisse im Detail, erwähnen aber mit
keinem Wort die vielen langen Täler die zwischen den Bergspitzen liegen. Sie
sind falsche Zeugen weil sie ein falsches Bild von einem christlichen Leben geben.
Ich erinnere mich dass ich als junger Christ gekämpft habe um ein Gott
wohlgefälliges Leben zu leben. Damals habe ich viele solcher Zeugnisse gehört
von anderen Christen. Nicht einer von ihnen, weder von der Kanzel noch in
persönlichen Gesprächen, hat mir gesagt dass auch sie Ängste, ungelöste Probleme
und unbeantwortete Gebete haben, oder dass in der Bibel Dinge sind die auch sie
verwirren. Ich schloss deswegen daraus, dass nur ich solche Probleme und Fragen
hatte. Das Resultat war, dass alle ihre Zeugnisse mich nur entmutigten; und
diese Entmutigung hatte zur Folge dass es mich weiter vom Herrn wegführte.
Dann las ich in der Bibel wie der grosse Apostel Paulus öfters verwirrt war,
wie er verzweifelt war, wie einige seiner Bitten nicht gewährt wurden, wie
einige Menschen für die er gebetet hatte nicht geheilt wurden und wie er sogar
Ängste hatte und wie er von Glaubensgeschwistern in seiner Bedrücktheit
getröstet wurde (2. Kor. 4:8; 1:8; 12,8,9; 2. Tim. 4:20; 2. Kor. 7:5,6). Die
Ehrlichkeit von Paulus hob meinen Geist an und ich war ermutigt weiter zu kämpfen.
Paulus wollte nie dass andere Menschen von ihm einen falschen Eindruck hatten
(2. Kor. 12:6). Deshalb sagte er ihnen in klaren Worten dass er ein ganz
normaler Mensch ist - kein Engel. Er lebte in Sieg über alle offenkundigen
Sünden, aber er war immer noch ein Mensch der Fehler machen konnte und in
welchen das Fleisch noch immer nicht ausgerottet war. Das Ziel von Paulus war
immer anderen zu helfen, nicht sie zu beeindrucken. Durch seine Aufrichtigkeit,
seine Menschlichkeit, wurde er für viele ein Instrument der Ermutigung.
Es ist der Wunsch andere beeindrucken zu wollen, der uns unwillig macht
aufrichtig zu sein über unsere Kämpfe und unsere Ängste. Dies zeigt dass wir
nicht wirklich daran interessiert sind ihnen zu einem näheren Wandel mit Gott
zu verhelfen. Es stört uns nicht dass sie entmutigt sind durch die unrealistischen
Massstäbe die wir vor sie setzen. Es scheint dass wir recht zufrieden sind
solange wir selbst hoch geachtet gehalten werden.
Da ist ein Preis zu bezahlen wenn wir ein Kanal sein wollen durch den der
Heilige Geist andere ermutigen kann - der Preis der Aufrichtigkeit.
Deutsche Übersetzung: Petra Baumann
|